Paradies des Ferntourismus: azurblaues Wasser, makellose StrŠnde, tropische Vegetation
Paradies des Ferntourismus: azurblaues Wasser, makellose Strände, tropische Vegetation

Regional Report
Von Kuba bis Aruba

Wie Perlen an einer Kette ziehen sich hunderte von Inseln von Florida bis Venezuela durch die karibische See. Eine kurze Reise durch ein Gebiet mit vier Amtssprachen, zwanzig Staaten und tausend Facetten

Das Paradies liegt südlich vom Wendekreis des Krebses, hat Strände wie Puderzucker und ein Klima, das die Phantasie der Europäer Jahr für Jahr dann beflügelt, wenn sie daheim mit Dauerregen beglückt sind. Mit Ausnahme von Haiti und Kuba, wo derzeit noch keine Immobilieninvestitionen durch Privatpersonen möglich sind, ist auf den Sonneninseln auch der Immobilienkauf durch Ausländer unproblematisch.

Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Europäer und Amerikaner steht dabei die Dominikanische Republik. Die Flugverbindungen nach Deutschland sind gut und günstig, die Immobilienpreise sind wesentlich niedriger als in anderen Karibikstaaten. Besonders beliebt ist die Nordküste um die touristischen Zentren, wo es schon unter 100.000 Mark Apartments und Häuser gibt. Zu den Toplagen zählen die Luxusresorts Casa de Campo im Süden und Hacienda el Choco, wo Villen ab 750.000 Mark zu haben sind. Grundstücke in erster Meereslinie werden auf der Halbinsel Samaná ab 130 Mark pro Quadratmeter angeboten.


Bahamas

Bahamas: reichlich Sandstrand, wenig Steuern

Die südliche Nachbarinsel Jamaica ist weniger touristisch. Die Hauptstadt Kingston hat mit einer hohen Kriminalitätsrate zu kämpfen, Besucher und Immobilienkäufer orientieren sich an der landschaftlich wunderschönen Nordküste, wo es Villen der Luxusklasse ab 500.000 Mark zu kaufen gibt. Die nördlichste der großen Antillen ­ Kuba ­ ist für den Ferienhauskauf tabu. Immobilienkäufe sind nur mittels Joint Venture mit dem kubanischen Staat und bei Großprojekten legal. Über Strohmänner werden Wohnungen in Havanna für 15.000 bis 30.000 Mark angeboten, wovon allerdings dringend abzuraten ist, weil praktisch keine Sicherheiten gegeben sind.

Die vierte der großen Antilleninseln ist Puerto Rico. Die zu den USA gehörende Insel bietet politische und wirtschaftliche Stabilität, aber auch ein hohes Niveau der Immobilien- und Lebenshaltungskosten. Apartmentanlagen im Miami-Stil richten sich in erster Linie an amerikanische Kaufinteressenten. Unter steuerlichen Aspekten ist Puerto Rico wenig attraktiv, da das transparente Steuersystem der USA gilt. Echte Steueroasen, mit Nullsteuersätzen für Privatpersonen und Unternehmen, gibt es auch in der Karibik nur wenige. Völlig steuerfrei ist Anguilla. Der luxuriöse Sandkasten im Meer mißt an seiner höchsten Stelle gerade mal 70 Meter, ist politisch und wirtschaftlich sicher und mit feinen Hotels und Villen bebaut. Die Bahamas erheben weder Einkommenssteuer noch Kapitalertrags-, Quellen- oder Erbschaftssteuer. Das Commonwealth-Land zeichnet sich durch sehr gute Infrastruktur und Erreichbarkeit aus, Hausbesitzer bekommen eine jährlich zu erneuernde Aufenthaltsgenehmigung. Das alles hat seinen Preis ­ Villen in guten Gegenden kosten 1,5 Mio. Mark und mehr. Weitere Steuerparadiese sind die British Virgin Islands und die Caymans ­ hier sind 30.000 Offshore-Gesellschaften registriert. Auch auf St. Kitts & Nevis müssen Firmen ihr Einkommen aus Fremdquellen nicht versteuern, St. Vincent lockt Unternehmen mit Steuerfreiheit, und St. Lucia garantiert Investoren im Dienstleistungs- und Produktionsbereich Steuerfreiheit für zehn bis 15 Jahre.


Anguilla, die nördlichste der Leeward Islands. Der Sandkasten aus Korallengestein mißt an seiner höchsten Stelle gerade mal 70 Meter

Anguilla, die nördlichste der Leeward Islands. Der Sandkasten aus Korallengestein mißt an seiner höchsten Stelle gerade mal 70 Meter

Wer in der Karibik keine Geschäfte machen, sondern einfach nur das Leben genießen will, sieht sich auf den kleineren, abgelegeneren Inseln. Da gleicht keine der anderen. Die geologische Struktur reicht von regenwaldbewachsenen Inseln vulkanischen Ursprungs wie Dominica bis zu flachen Korallengesteins-Inseln wie Anguilla oder Barbados. Die koloniale Vergangenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Auf Martinique schmeckt der Café Crème wie in Paris, Barbados nennt sich gerne ãLittle England's und auf St. Croix, US Virgin Islands, sieht man zwar noch dänische Kolonialarchitektur, aber die Blueberry Pancakes schmecken genauso wie in Los Angeles. Im 17. und 18. Jahrhundert handelten die Europäer mit ihren Kolonien wie mit Gütern, so manche Insel wechselte mehrmals den Besitzer

Auf den kleinen Antillen wurde hauptsächlich Zuckerrohr angebaut, und für die schwere Arbeit auf den Feldern wurden schwarze Sklaven aus Afrika eingeführt. Auch sie hinterließen ihre Spuren, neben den Amtssprachen Französisch, Englisch oder Holländisch bestehen auch heute noch regionale Dialekte wie Patois oder Papiamento ­ Mischungen aus der Sprache der Kariben mit afrikanischen Sprachen.

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Zuckergewinnung aus Rüben entdeckt wurde, ging zeitgleich mit der Abschaffung der Sklaverei auch die Zuckerrohr-Industrie zugrunde. Das führte zum wirtschaftlichen Zusammenbruch in der Region. Nach dem zweiten Weltkrieg erlangten einige Inseln die politische Unabhängigkeit, andere wurden zu Übersee-Provinzen des Mutterlandes. Aber erst mit dem Aufkommen des Massentourismus in den Fünfzigern und Sechzigern erholte sich die Region von der wirtschaftlichen Krise. Heute ist auf vielen Inseln der Tourismus Einnahmequelle Nr. Eins. Auf Antigua macht er rund die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes aus, auf St. Lucia ein Drittel, auf Grenada und Barbados ein Fünftel.


Dominikanische Republik: das populärste Karibik-Ziel der Deutschen

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Für welche der Inseln man sich entscheidet ist eine Frage der Mentalität. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Landebahn des Flughafens, desto weniger Leute stören die Nachmittage in der Hängematte. Die wohl größtmögliche Privatsphäre bietet die sechs Quadratkilometer kleine Grenadineninsel Mustique. Rechtlich gehört sie zum Staat St. Vincent, de facto aber ist sie Privatterritorium. Die Mustique Company sorgt dafür, daß kein ungebetener Gast die Urlaubsruhe der meist prominenten Hausbesitzer stört. Abends treffen sich Mick Jagger, David Bowie und Prinzessin Margaret in der einzigen Bar der Insel ­ man bleibt unter sich. Ein Grundstück im Paradies ist nicht unter 1,5 Millionen Mark zu haben, Villen werden im zweistelligen Millionenbereich gehandelt. Nur unwesentlich preisgünstiger ist St. Barthélemy. Das französische Übersee-Département wartet mit Gourmetrestaurants, Luxushotels und Quadratmeterpreisen auf, die die Côte d'Azur wie einen Schnäppchenmarkt aussehen lassen. Genauso gallisch, aber nicht ganz so exklusiv sind die anderen französischen Inseln. Als Frankreich in den Achtzigern Steuerabschreibungsmöglichkeiten für Insel-Investoren einführte, kam es hier zu einem Bauboom, der französische Teil der Insel St. Martin und große Teile von Guadeloupe und Martinique wurden zubetoniert. Heute gibt es schöne Villen ab 500.000 Mark. Eine ganz andere Welt betritt man auf den niederländischen Antillen. Die ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curaçao) ziehen vor allem Taucher in ihren Bann ­ die vorgelagerten Korallenriffe zählen zu den schönsten der Welt. Bungalows bekommt man hier schon für 200.000 Mark. Der einzige Berg Hollands ist übrigens der erloschene Vulkankegel der Insel Saba. Auch hier kann man gut tauchen und schnorcheln, die wenigen Touristen, die sich auf die regenwaldbewachsene, grüne Insel verirren, besteigen den 887 m hohen Mt. Scenery.
Koloniale Architekturelemente

Überall in der Karibik sieht man koloniale Architekturelemente wie Holzveranden

Zu den bei Deutschen beliebtesten Sandkästen im Meer gehören auch die vormals britischen Inseln Antigua und Barbuda. Sowohl Curaçao als auch Antigua haben den Vorteil, daß sie von Chartergesellschaften angeflogen werden und moderate Immobilienpreise bieten. Nicht überall ist das karibische Leben ungetrübt. In Montserrat, ehemals mit dem Beinamen "Smaragdinsel" geschmückt, haben die Vulkanausbrüche des Soufrière Ende 1995 fast die ganze Insel unbewohnbar gemacht. Villen, die vor vier Jahren noch 500.000 Mark und mehr kosteten, waren über Nacht wertlos, die Bevölkerung der Hauptstadt Plymouth mußte komplett evakuiert werden. Gegen Vulkanausbrüche und Hurrikane, die ebenfalls in regelmäßigen Abständen für Verwüstung auf den Inseln sorgen, hilft nur eine Versicherung. In Deutschland gibt es bislang keine Unternehmen, die Häuser in der Karibik versichern, die beste Adresse hierfür ist das britische Versicherungshaus Lloyd's.
Text: D.S.

Saba: Wenige Touristen und excellente Tauchreviere bietet die zu den Niederlanden gehörende Vulkaninsel

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